{"id":169,"date":"2025-07-05T16:14:00","date_gmt":"2025-07-05T14:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/fellix"},"modified":"2025-07-16T12:25:09","modified_gmt":"2025-07-16T10:25:09","slug":"whats-working-with-white-labelled-email-right-now-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kerstinpohle.de\/en\/2025\/07\/05\/whats-working-with-white-labelled-email-right-now-2020\/","title":{"rendered":"Kunst im Dazwischen"},"content":{"rendered":"<p id=\"block-e7acfe0d-2b9d-43a3-ab58-e983e32d3517\">Ich habe Operngesang studiert, weil ich das ultimative Gesamtkunstwerk gesucht habe. Musik, Text, Schauspiel, Tanz, Orchester und alle Gewerke des Theaters in einer grenzenlosen Einheit verschmolzen. Die Oper versprach mir eine Welt, in der nichts getrennt existiert, wo alles ineinander flie\u00dft und sich gegenseitig verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meiner Ausbildung und ersten Berufserfahrungen entdeckte ich jedoch, dass das Potenzial der Oper nicht immer vollst\u00e4ndig ausgesch\u00f6pft wird. Das Orchester probte bis zu den Endproben f\u00fcr sich, die S\u00e4nger ebenso. Die Regiekonzeption entstand lange bevor andere Akteur<em>*<\/em>innen<em> <\/em>einbezogen wurden, die Mitarbeiter*innen der anderen Gewerke traf man erst sp\u00e4t im Prozess. Erst ganz am Ende wurde alles zusammengef\u00fcgt. So wie Puzzleteile, die nebeneinander gelegt werden, ohne wirklich zu verschmelzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Erfahrung hat mich nicht von der Oper abgebracht, sondern vielmehr inspiriert, nach neuen Wegen zu suchen. Ich erkannte, dass das Gesamtkunstwerk, das ich suchte, durch intensivere Zusammenarbeit von Beginn an entstehen k\u00f6nnte. Ich wollte mehr \u2013 mehr Austausch, mehr gemeinsame Entwicklung, mehr interdisziplin\u00e4re Verschmelzung.<\/p>\n\n\n\n<p>So begann ich, Grenzen auszudehnen. Meine eigenen und die der verschiedenen Genres. Genau dort arbeite ich heute. Da, wo sich verschiedene Welten ber\u00fchren, ohne dass vorher schon entschieden ist, was daraus wird.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Schwelle, im \u00dcbergang, im Prozess. Dort, wo noch nichts festgelegt ist. Dort, wo Neues m\u00f6glich wird. Ich habe aufgeh\u00f6rt zu warten, bis verschiedene Kunstformen erst am Ende zusammenkommen. Ich m\u00f6chte lieber gemeinsam mit allen dort beginnen, wo sie sich ber\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine klassische Ausbildung gibt mir das technische Fundament, um frei zu arbeiten. Diese solide Basis erm\u00f6glicht es mir, sowohl in traditionellen Opernh\u00e4usern als auch in experimentellen Kontexten zu agieren. Mich interessiert das, was au\u00dferhalb des Kanons liegt, ohne das Bew\u00e4hrte zu verwerfen. Ich arbeite in Formaten, die nicht in Schubladen passen: &#8222;Live Animation Cinema&#8220;, kollektives Theater, Klanginstallationen, Tanztheater. Projekte, die schon in der Entstehung interdisziplin\u00e4r denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Grenzen auszudehnen bedeutet, Transformation zuzulassen. Nicht zu wissen, wohin etwas f\u00fchrt, aber offen zu bleiben. Mich interessieren gesellschaftliche Fragen mehr als vorgefertigte Antworten. Ich glaube an die Magie des Unfertigen, an den Raum dazwischen, an die Kraft des gemeinsamen Suchens.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich auf der B\u00fchne stehe, ob in einer Oper oder einer experimentellen Performance, wird jede Rolle zu einer Einladung. Eine Einladung, gemeinsam neue Sichtweisen zu erkunden, gesellschaftliche Themen zu durchdringen, ohne zu urteilen, ohne fertige Antworten zu liefern. Die besten Abende sind die, nach denen das Publikum noch stundenlang diskutiert, weil sie eingeladen wurden, die Welt durch andere Augen zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Ziel ist nicht, fertige Antworten zu liefern, sondern R\u00e4ume zu \u00f6ffnen. F\u00fcr mich gibt es keine un\u00fcberwindbaren Grenzen zwischen den Genres, zwischen klassischer Oper und Eigenkompositionen, zwischen dem Vertrauten und dem Unerwarteten. Jede Form hat ihre Berechtigung, und in ihrer Begegnung entsteht etwas Neues.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Oper bleibt f\u00fcr mich ein faszinierender Kosmos voller M\u00f6glichkeiten. Gleichzeitig treibe ich die Entwicklung neuer Formate voran, die von Anfang an auf Kollaboration und gesellschaftlicher Relevanz basieren. Beides geh\u00f6rt zu meinem k\u00fcnstlerischen Weg \u2013 die Tradition als Fundament und die Innovation als Horizont.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe Operngesang studiert, weil ich das ultimative Gesamtkunstwerk gesucht habe. 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