{"id":423,"date":"2025-07-03T00:22:51","date_gmt":"2025-07-02T22:22:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kerstinpohle.com\/?p=423"},"modified":"2025-07-07T00:42:48","modified_gmt":"2025-07-06T22:42:48","slug":"kunst-im-dazwischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kerstinpohle.de\/en\/2025\/07\/03\/kunst-im-dazwischen\/","title":{"rendered":"Kunst im Dazwischen"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe Operngesang studiert, weil ich das ultimative Gesamtkunstwerk gesucht habe. Musik, Text, Schauspiel, Tanz, Orchester und alle Gewerke des Theaters in einer grenzenlosen Einheit verschmolzen. Die Oper versprach mir eine Welt, in der nichts getrennt existiert, wo alles ineinander flie\u00dft und sich gegenseitig verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam die Ern\u00fcchterung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Orchester probte bis zu den Endproben f\u00fcr sich, die S\u00e4nger ebenso. Die Regiekonzeption entstand lange bevor andere Akteur<em>*<\/em>innen einbezogen wurden, die Mitarbeiter*innen der anderen Gewerke traf man erst sp\u00e4t im Prozess. Erst ganz am Ende wurde alles zusammengef\u00fcgt. So wie Puzzleteile, die nebeneinander gelegt werden, ohne wirklich zu verschmelzen. Das Gesamtkunstwerk war f\u00fcr mich eine Illusion der Zusammenstellung, nicht der Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fchlte sich nicht richtig an. Ich wollte mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe versucht Grenzen auszudehnen. Meine eigenen und die der verschiedenen Genres. Genau dort arbeite ich heute. Da, wo sich verschiedene Welten ber\u00fchren, ohne dass vorher schon entschieden ist, was daraus wird.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Schwelle, im \u00dcbergang, im Prozess. Dort, wo noch nichts festgelegt ist. Dort, wo Neues m\u00f6glich wird. Ich habe aufgeh\u00f6rt zu warten, bis verschiedene Kunstformen erst am Ende zusammenkommen. Ich m\u00f6chte lieber gemeinsam mit allen dort beginnen, wo sie sich ber\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine klassische Ausbildung gibt mir das technische Fundament, um frei zu arbeiten. Aber mich interessiert das, was au\u00dferhalb des Kanons liegt. Ich arbeite in Formaten, die nicht in Schubladen passen: &#8222;Live Animation Cinema&#8220;, kollektives Theater, Klanginstallationen. Projekte, die schon in der Entstehung interdisziplin\u00e4r denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Grenzen auszudehnen bedeutet, Transformation zuzulassen. Nicht zu wissen, wohin etwas f\u00fchrt, aber offen zu bleiben. Mich interessieren Fragen mehr als Antworten. Ich glaube an die Magie des Unfertigen, an den Raum dazwischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich auf der B\u00fchne stehe, ob in einer Oper oder einer experimentellen Performance, wird jede Rolle zu einer Einladung. Eine Einladung, gemeinsam neue Sichtweisen zu erkunden, ohne zu urteilen, ohne fertige Antworten zu liefern. Die besten Abende sind die, nach denen das Publikum noch stundenlang diskutiert, weil sie eingeladen wurden, die Welt durch andere Augen zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Ziel ist nicht, fertige Antworten zu liefern, sondern R\u00e4ume zu \u00f6ffnen. F\u00fcr mich gibt es keine Grenzen zwischen den Genres, zwischen klassischer Oper und Eigenkompositionen, zwischen dem Vertrauten und dem Unerwarteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst hat diese wunderbare Gabe: Sie kann uns dazu bringen, innezuhalten und zu fragen: &#8222;Was w\u00e4re, wenn&#8230;?&#8220; In den Schwellenr\u00e4umen zwischen den Welten entstehen die interessantesten Antworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesamtkunstwerk, das ich in der Oper suchte? Ich erschaffe es jetzt selbst. Nicht als fertiges Produkt, sondern als lebendigen Prozess. Als Raum f\u00fcr Begegnungen zwischen Welten, die sich sonst nie ber\u00fchrt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe Operngesang studiert, weil ich das ultimative Gesamtkunstwerk gesucht habe. Musik, Text, Schauspiel, Tanz, Orchester und alle Gewerke des Theaters in einer grenzenlosen Einheit verschmolzen. Die Oper versprach mir eine Welt, in der nichts getrennt existiert, wo alles ineinander flie\u00dft und sich gegenseitig verst\u00e4rkt. Dann kam die Ern\u00fcchterung. 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